Finanzen

Steuerliche Realisierung von Verlusten aus Kapitalanlagen

Nach Einführung der Abgeltungsbesteuerung ab 2009 besteht für Kapitaleinkünfte nach der BFH-Rechtsprechung eine Einkunftserzielungsvermutung. Verluste können demgegenüber nur im Rahmen der Einkünfte aus Kapitalvermögen ausgeglichen und abgezogen werden.

Die Finanzverwaltung erkennt nur sehr eingeschränkt Verluste aus Kapitalanlagen an. Allerdings hat der BFH der Finanzverwaltung in zahlreichen Entscheidungen widersprochen und Verluste in folgenden Fällen akzeptiert:

  • Verluste, die dadurch realisiert werden, dass Kauf- oder Verkaufsoptionen am Ende der Laufzeit aufgrund ihrer Wertlosigkeit verfallen gelassen werden.
  • Der „negative Unterschiedsbetrag“ aus der Veräußerung einer fondsgebundenen Lebensversicherung unter Eheleuten. Voraussetzung dafür ist die Vereinbarung eines angemessenen Preises innerhalb der zwölfjährigen Mindestlaufzeit.
  • Der Veräußerungsverlust aus dem Rückkauf einer Sterbegeldversicherung mit Sparanteil
  • Barausgleich eines sog. Stillhalters aus einem Termingeschäft.

Anhängige Verfahren beim BFH zu Verlusten aus Kapitalanlagen:

  • Im Revisionsverfahren befindet sich aktuell ein Sachverhalt, bei dem geklärt werden muss, ob Verluste aus der Veräußerung von Aktien mit Aktiengewinnen verrechenbar sind, wenn bei einem Veräußerungsgewinn die Transaktionskosten die Erlöse überschreiten.
  • Bei sog. Knock-out-Zertifikaten mit Stop-Loss-Schwelle können dem Steuerpflichtigen steuerliche Verluste entstehen, da die unbeschränkte Laufzeit aufgrund der Stop-Loss-Schwelle vorzeitig endet und damit der Wert der Zertifikate unter die Anschaffungskosten fällt. Da hier ebenfalls ein Verfahren anhängig ist, lässt die Finanzverwaltung entsprechende Fälle ruhen.

Hinweis: Gerichtlich ungeklärt ist die Reichweite des Veräußerungsbegriffs nach § 20 Abs. 2 Satz 2 EStG, wonach die Veräußerung als „Einlösung, Abtretung, Rückzahlung, Abtretung oder verdeckte Einlage in eine Kapitalgesellschaft“ definiert wird. Bisher wird von der Finanzverwaltung der schlichte Ausfall einer Darlehensforderung, die zur Erzielung von Kapitaleinkünften dient, nicht als Veräußerungsverlust angesehen. Ebenso verhält es sich bei einem Darlehensverzicht aufgrund einer eingetretenen Wertminderung. Weitere Streitpunkte im Sinne der Verlustanrechnung sind die Ausbuchung wertloser Aktien sowie der Wegfall von Aktien wegen der Insolvenz einer AG.