Unternehmensbewertung

Wertermittlung des Unternehmens als Ganzes. Kriterien, Methoden und das Ziel der Objektivierung

Die Antwort auf die Frage nach dem Wert eines Gegenstandes fällt regelmäßig schwer. Dies liegt insbesondere an der Subjektivität des Wertbegriffs. Zwar stellt sich diese Frage im alltäglichen Leben, z.B. beim morgendlichen Brötcheneinkauf für die Familie, in der Regel nicht – jedenfalls nicht bewusst. Je höher die in der Regel in Geld zu erbringende Leistung für den Erhalt einer Gegenleistung ist, desto stärker rückt aber die Frage nach dem Wert in den Vordergrund. Zahlreiche kluge Köpfe – ob nun Philosophen oder Ökonomen – haben in der Vergangenheit versucht, Kriterien und Methoden zu entwickeln, um den Wert von Dingen objektiv nachvollziehbar ermitteln zu können. Es liegt jedoch in der Natur der Sache, dass die Objektivierung von an sich subjektiv geprägten menschlichen Bedürfnissen und Vorstellungen immer nur annäherungsweise – teilweise sogar stark typisierend und damit von der Realität abweichend – erfolgen kann.

Wer sich noch nie oder nur oberflächlich mit dem Börsengeschehen beschäftigt hat, wird sich nach einem Blick auf die Wertentwicklung bestimmter Unternehmen die Frage stellen, wie es sein kann, dass ein Unternehmen an einem Tag rd. 100 Mrd. € und wenige Wochen später nur noch rd. 50 Mrd. € wert sein kann. So geschehen mit einem der wichtigsten deutschen börsennotierten Unternehmen im Jahr 2015: Volkswagen. Wer versucht, Parallelen zu anderen Werten, wie z.B. Gebäuden oder Fahrzeugen, zu ziehen, kommt damit regelmäßig nicht weiter; denn der Grund für die dramatische Wertevernichtung war hier kein Brand oder ein anderer Substanzschaden sondern vielmehr die schlagartige Änderung der Erwartungen an die zukünftige Entwicklung des Unternehmens.

Die Betriebswirtschaftslehre definiert den Wert eines Unternehmens wie folgt: „Unter der Voraussetzung ausschließlich finanzieller Ziele bemisst sich der Wert eines Unternehmens durch den Barwert der mit dem Eigentum am Unternehmen an die Unternehmenseigner verbundenen Nettozuflüsse.“ Es kommt also im Kern nicht darauf an, was ein Unternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt besitzt oder was es in der Vergangenheit erreicht hat, sondern was es zukünftig leisten und erwirtschaften kann.

Diese Definition des Unternehmenswerts ist grundsätzlich geeignet, eine methodisch nachvollziehbare Objektivierung vornehmen und insbesondere ermittelte Unternehmenswerte miteinander vergleichen zu können. Sie birgt jedoch gleichzeitig zahlreiche Schwierigkeiten und Herausforderungen; denn es liegt in der Natur der Sache, dass der Blick in die Zukunft deutlich anfälliger für Unsicherheiten, Ermessensspielräumen und Risiken ist, als der Blick in die Vergangenheit. Dies wird recht anschaulich durch die Ereignisse rund um Volkswagen und deren Auswirkungen auf den Unternehmenswert demonstriert. In einer ex ante Betrachtung wäre der Unternehmenswert bereits vor dem Einbruch des Aktienkurses geringer gewesen. Da die Informationen über die Manipulationsvorwürfe jedoch nicht vorlagen und aus damaliger Sicht auch vom Markt nicht antizipiert wurden, ergab sich eine entsprechend andere – deutlich positivere – Erwartungshaltung an die Zukunft und damit ex nunc ein höherer Unternehmenswert.

Unerlässliche Grundlage für eine Unternehmensbewertung ist somit eine in allen Belangen nachvollziehbare integrierte Unternehmensplanung. Auf Basis einer solchen Planung werden die zukünftigen Zahlungsströme mit einem risiko- und laufzeitadäquaten Zinssatz auf den Bewertungsstichtag abgezinst. Die Summe der abgezinsten Zahlungsströme ergibt schlussendlich den Wert des Unternehmens.

Die erfahrenen Berater der bws Graf Kanitz GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft unterstützen Sie in verschiedenen Funktionen (neutraler Gutachter, Berater, Schiedsgutachter) bei der Bewertung von Unternehmen nach den anerkannten Methoden zur Unternehmensbewertung (Ertragswertverfahren, Discounted-Cashflow-Verfahren) oder nach vereinfachten Preisfindungsverfahren (Multiple-Verfahren, vereinfachtes Ertragswertverfahren). Dabei kann abhängig von der Auftragsgestaltung eine gemeinsame Erarbeitung der für die integrierte Unternehmensplanung notwendigen Annahmen oder aber eine kritische Überprüfung von bereits getroffenen und vorgelegten Unternehmensplanungen erfolgen.