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Darlehensausfall: Verlust aus Kapitalvermögen auch bei Forderungsverzicht

Der endgültiger Ausfall eines Gesellschafterdarlehens führt nach der bisherigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes (BFH) zu einem steuerlich anzuerkennenden Verlust aus Kapitalvermögen. Begründet hat der BFH dieses Rechtsprechung mit der Unerheblichkeit des Rechtsträgerwechsels auf die Verlustrealisierung.

Zu der vom BFH bewusst offengelassenen Behandlung eines Forderungsverzichts hat sich jetzt das Finanzgericht (FG) Münster geäußert. Demnach führt auch der Forde-rungsverzicht zu einem endgültigen Ausfall der Kapitalforderung, welcher der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Darlehensgebers schadet. Dies rechtfertigt eine steuerrechtliche Berücksichtigung der Verluste bei den Einkünften aus Kapitalvermögen.

Streitfall: Der GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer und Darlehensgeber gewährte der GmbH im Januar 2007 – als Sicherheit für ein Bankdarlehen – ein Darlehen in Hö-he von 245.000 €, das mit 1% jährlich verzinst wurde. Nachdem Ende 2007 für das Darlehen ein Rangrücktritt erklärt wurde, erfolgte im September 2011 der Verzicht auf das Darlehen Ende des Jahres 2011 verkaufte der GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer seine Anteile zu einem Kaufpreis von 30.000 €.

In Rahmen der Einkommensteuererklärung 2011 erklärte der Darlehensgeber einen Veräußerungsverlust, der den Verlust aus der Veräußerung des Stammkapitals und den Verlust aus dem Gesellschafterdarlehen umfasste.

Das Finanzamt kürzte den Veräußerungsverlust, um den Darlehensausfall in Höhe von 245.000 €, da aus dem Gesellschafterdarlehen keine nachträglichen Anschaffungskosten entstanden seien.
Entscheidung: Das FG Münster hat der erhobenen Klage mit folgender Begründung stattgegeben:

Der Darlehensverlust kann zwar nicht als nachträgliche Anschaffungskosten der Beteiligung berücksichtigt werden, weil es sich nicht um ein Krisendarlehen handelt. Jedoch ist eine Berücksichtigung des Darlehensverlusts bei den Einkünften aus Kapitalvermögen möglich.

Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehören neben dem Gewinn aus der Veräußerung von sonstigen Kapitalforderungen auch die Einlösung, die Rückzahlung, die Abtretung oder die verdeckte Einlage in einer Kapitalgesellschaft. Außerdem kann aber auch der endgültige Ausfall einer Kapitalforderung zum Verlust aus Kapitalvermögen führen. Nach der BFH-Rechtsprechung ist ein Ausfall einer Rückzahlung gleichzustellen. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten wird dasselbe Ergebnis erreicht, egal ob der Steuerpflichtige. die Forderung noch kurz vor dem Ausfall zu null veräußert, oder ob er sie behält.

Hinweis: Nachdem zwischenzeitlich Revision eingelegt wurde, bleibt abzuwarten, ob der BFH die Rechtsauffassung des FG Münster teilt.