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FG Köln verneint Spekulationssteuer auf das Arbeitszimmer bei Verkauf des selbst genutzten Eigenheims

Das FG Köln hat in einer viel beachteten Entscheidung eine Besteuerung des häuslichen Arbeitszimmers als privates Veräußerungsgeschäft – entgegen der bisherigen Rechtsprechung – verneint.

Hintergrund: Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften zählen zu den sonstigen Einkünften und umfassen u.a. Veräußerungsgeschäfte bei Grundstücken, bei denen zwischen Anschaffung und Verkauf weniger als 10 Jahre liegen. Mit zu berücksichtigen sind neben dem Grundstück auch Gebäude und Außenanlagen sowie Gebäudeteile, die als selbstständige unbewegliche Wirtschaftsgüter angesehen werden können. Ausnahme bilden Wirtschaftsgüter, die im Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken oder im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurden.

Streitfall: Das klagende Ehepaar kaufte im Jahr 2003 eine Eigentumswohnung im Wert von 235.000 EUR und nutzte diese zu eigenen Wohnzwecken. Als Lehrer hat der Ehemann für das beruflich genutzte Arbeitszimmer (19,23% der Gesamtwohnfläche) Kosten in Höhe von 1.250 EUR geltend gemacht. Im Streitjahr 2012 verkaufte das Ehepaar die Wohnung und das Finanzamt ermittelte anteilig für das beruflich genutzte Arbeitszimmer einen privaten Veräußerungsgewinn in Höhe von 35.575 EUR.

Im Einspruchs- und Klageverfahren gingen die Kläger gegen den Ansatz des Veräußerungsgewinns vor und argumentieren, dass der Werbungskostenabzug aus Unwissenheit geltend gemachten worden sei. Da das Arbeitszimmer aufgrund der gemischten Nutzung als Schlaf- und Arbeitszimmer vorwiegend zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurde, falle die gesamte Eigentumswohnung in den Tatbestand der Ausnahmeregelung.

Das Finanzamt vertrat jedoch die Auffassung, dass die nahezu ausschließliche berufliche Nutzung des Arbeitszimmers lediglich ausschlaggebend sei für den Werbungskostenabzug, nicht aber für die Berechnung des privaten Veräußerungsgewinns. Zudem diene ein Wirtschaftsgut nur dann Wohnzwecken, wenn es dazu bestimmt und geeignet sei, Menschen auf Dauer Aufenthalt und Unterkunft zu ermöglichen. Bei einem häuslichen Arbeitszimmer sei dies nicht der Fall, selbst wenn der Werbungskostenabzug nur eingeschränkt oder ausgeschlossen sei.

Entscheidung: Das FG Köln ließ bei der Urteilsfindung die gemischte Nutzung des Arbeitszimmers unberücksichtigt. Maßgeblich sei vielmehr die Frage, ob es sich bei einem Arbeitszimmer überhaupt um ein selbstständiges Wirtschaftsgut handelt. Zudem war die Frage zu klären, ob eine Verrichtung von beruflichen Tätigkeiten im Wohnhaus per se schädlich ist für eine Annahme der Nutzung zu eigenen Wohnzwecken. Beide Fragen verneinte das FG Köln entschied zugunsten der Kläger.

Nach Auffassung des FG wird das betreffende Arbeitszimmer zu eigenen Wohnzwecken genutzt. Obwohl ein häusliches Arbeitszimmer normalerweise der beruflichen Nutzung dient, kann es aber nicht als selbstständiges Wirtschaftsgut angesehen werden. Eine selbstständige Veräußerung unabhängig von den restlichen Wohnungsteilen ist nicht möglich, mit der Folge, dass die Wohnung nur insgesamt veräußert werden kann. Die Ausnahmeregelung für die Nutzung zu eigenen Wohnzwecken setzt dementsprechend nicht voraus, dass alle Wohnungsteile ausschließlich zu eigenen Wohnzwecken genutzt werden.

Zudem wies das FG Köln darauf hin, dass es nicht plausibel sei, dass bei einem häuslichen Arbeitszimmer einerseits der Betriebsausgaben- und Werbungskostenabzug nicht zugelassen wird, dessen Veräußerung aber der Besteuerung von private Veräußerungsgeschäfte unterworfen wird. Aus Sicht des Gesetzgebers ist das häusliche Arbeitszimmer grundsätzlich Bestandteil des privaten Wohnbereichs.

Hinweis: Es bleibt zu hoffen, dass der BFH im Revisionsverfahren (Az. IX R 11/18) die für Arbeitnehmer mit Arbeitszimmernutzung sehr positive Auffassung des FG Köln teilt und der Besteuerung eines privaten Veräußerungsgewinns in Bezug auf Arbeitszimmer eine Absage erteilt.