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Nachträgliche Anschaffungskosten auf einen GmbH-Anteil durch Einzahlungen in die Kapitalrücklage

Der vom IX. Senat des BFH am 20.07.2018 entschiedene Fall behandelt die Frage, unter welchen Voraussetzungen bei privaten Kapitalbeteiligungen i. S. des § 17 EStG nachträgliche Anschaffungskosten auf die Beteiligung als Verluste steuerlich anzuerkennen sind.

Sachverhalt: Im Urteilsfall war der Kläger mit 25 % an einer GmbH beteiligt. Im Jahr 1999 übernahm er für Bankverbindlichkeiten der GmbH eine Bürgschaft. Als weitere Sicherheit diente eine Grundschuld auf ein privates Grundstück. Nach zwei Verlustjahren (2008 und 2009) stellte die GmbH zum Jahresende 2009 ihren Geschäftsbetrieb ein und veräußerte das gesamte Vermögen.

Um die drohende Liquidation der GmbH und die Inanspruchnahme der Bürgschaft zu verhindern, leistete der Kläger 2010 Zuführungen in die Kapitalrücklage. Die Einzahlung wurde für die Tilgung der Bankverbindlichkeiten verwandt und somit entfiel seine Bürgschaftsverpflichtung. Noch im selben Jahr veräußerte der Kläger seine GmbH-Anteile für einen Kaufpreis von 0,00 € an eine nahe stehende Person.

In der ESt-Erklärung machte der Kläger einen Veräußerungsverlust gem. § 17 EStG geltend, der sich aus dem Verlust der anteiligen Stammeinlage und nachträglichen Anschaffungskosten aus der anteiligen Kapitalzuführung ergibt. Streitpunkt zwischen dem Kläger und dem zuständigen FA war die Berücksichtigung nachträglicher Anschaffungskosten.

Entscheidung: Der BFH hat seine Rechtsprechung aus 2017 zu nachträglichen Anschaffungskosten nach Inkrafttreten des „MoMIG“ zum 01.01.2008 bestätigt und ergänzt. Demnach stellen zwar Inanspruchnahmen aus Bürgschaften für Gesellschafterdarlehen abweichend zur früheren Rechtslage keine nachträglichen Anschaffungskosten im Sinne des § 17 EStG mehr dar. Allerdings gilt dies nicht für Einzahlungen der Gesellschafter in die Kapitalrücklage der Gesellschaft unabhängig von der Verwendung durch die Kapitalgesellschaft. Selbst eine kurzfristig geleistete Gesellschaftereinlage zur Vermeidung einer Inanspruchnahme aus einer Bürgschaft für Gesellschaftsschulden ist steuerlich berücksichtigungsfähig.

Hinweis: Nachdem Inanspruchnahmen aus Gesellschafterbürgschaften infolge der BFH-Rechtsprechung zum „MoMIG“ ab dem 28.09.2017 nicht mehr als nachträgliche Anschaffungskosten im Rahmen des § 17 Abs. 2 EStG steuerlich berücksichtigungsfähig sind, sollten in Krisen- oder Liquidationsfällen Inanspruchnahmen aus Bürgschaften vermieden werden. Stattdessen sollte eine Tilgung der mit der Bürgschaft abgesicherten Verbindlichkeiten gegebenenfalls kurzfristig durch eine Zuführung des Gesellschafters in die Kapitalrücklage erfolgen. Eine solche gesellschaftsrechtlich zulässige Maßnahme stellt keinen Gestaltungsmissbrauch nach § 42 AO dar.